Einsatzablauf
Die nächste Aufgabe des Kommandeurs ist, sich auf Befehl in einer Formation mit den anderen Flugzeugen der Staffel zu sammeln. Ein Radiokompass wird benutzt, der von festgelegten Positionen Kurzwellenfunksignale aussendet. Dabei wird ein Morsesignal (auch Bucher-Signal genannt) übermittelt, das das Flugzeug über die kleine Ringantenne unter dem Bug empfängt. Das Leitflugzeug feuert auf einer Höhe von 10.000 Fuß (ca. 3.000 m) verschiedenfarbige Leuchtsignale ab, die als visuelle Wegweiser für die anderen Piloten dienen. Staffeln müssen sich zu Geschwadern, Geschwadern zu Geschwadergruppen und Geschwadergruppen zu Divisionsverbänden formieren. Der Vorgang geht nur sehr langsam vonstatten, da sich alle Beteiligten miteinander abstimmen müssen. Auf einer Höhe von 10.000 Fuß (ca. 3.000 m) erhält die Besatzung den Befehl, die Sauerstoffversorgung einzuschalten. Die Heizung sollte schon in Betrieb sein. Die beiden Rumpfschützen tragen elektrisch geheizte Fliegeranzüge unter ihren Schaffelljacken. Die Kabinen der übrigen Besatzung werden durch warme Luft aus den Luftkanälen beheizt. Der Kugelturmschütze nimmt als letzter seine Stellung ein. Da der Kugelturm äußerst klein ist, wird diese Stellung immer einem Besatzungsmitglied kleineren Körperbaus zugeteilt. Er muss bis zu fünf Stunden auf engstem Raum verweilen, ohne dabei die Sicherheit eines Fallschirms zu haben. Sollte der B-17 etwas zustoßen, würde es mit der Hilfe eines anderen Besatzungsmitglieds ungefähr eine Minute dauern, bis er aus dem Kugelturm gestiegen ist und seinen Fallschirm angelegt hat. Eine Minute in einer abstürzenden B-17 ist eine sehr lange Zeit.

Auf einer Höhe von 13.000 Fuß (ca. 4000 m) steigt das Flugzeug 200 Fuß (ca. 60 m) pro Minute. Hat die Maschine eine Höhe von über 19.000 Fuß (ca. 5.800 m) erreicht, dann meldet der Bugschütze Kondensstreifen. Dabei handelt es sich um Gase, die beim Zusammentreffen der heißen Motorabgase und der gefrorenen Luft in Gebieten mit einer hohen Luftfeuchtigkeit entstehen. Auf einer Höhe von 21.000 Fuß (ca. 6.00 m) geht die Formation in den Horizontalflug über. Obwohl die Bomber in geordneter Formation fliegen, behält der Navigator dabei die Position jedes Flugzeugs mit der Hilfe des "GEE"-Geräts (Weitstreckenradar) genauestens im Auge. Die Geschütze werden geladen und 30 Meilen (ca. 45 km) vor der englischen Küste zur Probe abgefeuert. Zur gleichen Zeit werden die Sicherungsstifte von den 10 Bomben im Bombenschacht entfernt. Der Kapitän wirft einen Blick auf die Fluggeschwindigkeitsanzeige, die zur Zeit auf 150 mhp (ca. 225 km/h) steht, doch weiß er, dass es sich bei diesem Wert nicht um die tatsächliche Geschwindigkeit (ungefähr 206 mph - ca. 310 km/h) handelt. Da diese Fluggeschwindigkeitsanzeige vom atmosphärischen Druck abhängig ist, sinken die Werte mit zunehmender Höhe.