Projekt Aphrodite

Wichtigstes Ziel: Die V-1 Abschussrampen

Die mit Fernsteuerung und einem TV-Lenksystem ausgerüstete und mit 25.000 lbs (11.340 kg) Torpex-Sprengstoff beladene PB4Y-1 Liberator der SAU-1 wurde von einem PV-1 Ventura-Mutterflugzeug geführt. Dabei startete die PB4Y-1 mit einer Besatzung von zwei Mann, die die Maschine auf 2.000 Fuß (600 m) und Kurs auf V-1 Stellungen in Frankreich brachte, bevor sie mit dem Fallschirm absprang.

Trotz mehrerer Alarmierungen in den Vorausgegangenen Wochen fand der erste Aphrodite-Einsatz am frühen Nachmittag des 4. August statt, als zwei "Babies" mit jeweils 64.000 lbs (29.000 kg) Gewicht im Abstand von 5 Minuten in Fersfield starteten und große betonierte V-1 Abschussrampen nahe der französischen Kanalküste zum Ziel hatten.

Die beiden AZON-Führungsflugzeuge waren bereits 45 Minuten vorher aufgestiegen, um einen festgelegten Kontrollpunkt in 20.000 Fuß (6.000 m) Höhe erreichen zu können. Die beiden "Babies" wurden mit Hilfe eines B-17-Leitflugzeuges an die Kontrollpunkte herangeführt, wo die Führungsflugzeuge die Funksteuerung übernahmen. Dann flogen die "Babies" in 2.000 Fuß Höhe einen 50-Meilen-Rechteckkurs, während dessen die Fernsteuerung überprüft werden konnte.

Für jedes "Baby" waren ein B-24 Führungsflugzeug sowie eine B-17 als Reserve-Führungsflugzeug für den Fall vorhanden, dass unterwegs die Funkverbindung ausfallen sollte. Die "Babies" hatten zur besseren Erkennbarkeit die Oberseite der Flächen und die Flosse weiß gestrichen. Ein Mosquito-Wetterbeobachtungsflugzeug flog voran und eine weitere B-17 diente als Relaisstation für Wetterinformationen.

In den Tod getrudelt

Die Besatzung des ersten "Babies" verließ ihre Maschine zwischen Woodbridge und dem Küstenüberflugpunkt in Orfordness. Der Flug des zweiten "Babies" endete mit einer Katastrophe:

Beim Umschalten auf Funkfernsteuerung ging die Maschine in einen leichten Steigflug über. Der Pilot brachte sie zwar in den Horizontalflug zurück, doch beim erneuten Umschalten trat der Fehler wieder auf. Beim dritten Versuch führte der Steigflug zu einem Strömungsabriss und die Fortress geriet ins Trudeln. Der Funker konnte sich noch mit dem Fallschirm retten, der Pilot 1st Lt. John Fischer, kam jedoch ums Leben, als er die Maschine erst unmittelbar vor dem Aufschlag und der Explosion verließ. Der wassergefüllte Krater ist heute noch vorhanden.

B-17F 42-30342

B-17F Taint A Bird 42-30342

Das erste "Baby" (B-17F 42-30342) wurde zwar erfolgreich über den ärmelkanal gelenkt, dann jedoch trat eine Störung in der Höhensteuerung auf und bei den weiteren Steuermanöver stürzte die Maschine nordwestlich Gravelines in einiger Entfernung von ihrem Ziel, der V-1 Stellung in Watten ab. Grund war vermutlich ein Flak-Treffer. Bei der Explosion wurde die B-17 in kleinste Fragmente zerlegt, die über eine Fläche von ca. 5 Km verstreut waren.

Als das Führungsflugzeug an seinen Heimatplatz zurückkehrte, starteten zwei weitere "Babies", diesmal gegen V-1 Stellungen in Wizernes und Mimoyecques. Der Kurs über der Grafschaft Suffolk und der Küstenüberflugpunkt waren die gleichen wie vorher. Beide Besatzungen konnten mit dem Fallschirm abspringen; zwei der Männer wurden dabei jedoch leicht verletzt. Das "Baby" mit dem ziel Wizernes geriet beim Zielanflug in den niedrigen Wolken außer Sicht und schlug erst hinter seinem Ziel auf - der Funker im Mutterflugzeug hatte die Wirkung des Höhenruders falsch berechnet.

Nachdem Flak-Besatzungen den Abschuss der für den Angriff auf Watten bestimmten B-17 und deren ungewöhnliches Verhalten gemeldet hatten, wurde die Absturzstelle untersucht. Doch trotz des Fehlens von Leichen und MGs sowie der enormen Ausmaße des Kraters wurde der Vorfall nicht als Einsatz einer Spezialwaffe erkannt.