Projekt Aphrodite

In der Luft explodiert

Begleitet von P-51 "Mustang"-Jägern, plus Navigations- und anderen Unterstützungsflugzeugen aus Fersfield, befand sich der Angriffsverband der US-Navy auf seinem Weg zum Küstenüberflugpunkt bei Southwold.

Anderson steuerte Kennedys Maschine in eine leichte Linkskurve. In diesem Moment, um genau 18.20 Uhr GMT, explodierte plötzlich das "Baby" mit zwei gewaltigen Detonationen im Abstand von einer Sekunde in 2.000 Fuß (600 m) Höhe über Newdelight Wood. In den weiten Umkreis in der Nähe der Ortschaft Blythburgh verstreuten Trümmern der Maschine war kein Hinweis auf eine mögliche Ursache für die Explosion zu finden. Die Detonation von 24.000 lbs (11.000 kg) Sprengstoff hatte mit Ausnahme der Motorblöcke das gesamte Flugzeug in kleinste Fragmente zerlegt. Spätere Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass die wahrscheinlichste Ursache ein Fehler in der elektrischen Anlage war, die vor dem Abspringen der Besatzung eingeschaltet worden war.

Im August 1944 erfolgten drei Baby-Einsätze mit von TV-Kamera ausgestatteten, funkferngesteuerten GB-4-Bomben Auch diese Versuche waren nicht gerade ein durchschlagender Erfolg und zwar hauptsächlich infolge von Störungen durch Funkgeräte und Reflexionen an der Wasseroberfläche.

Die auf einer 2000 lb-Bombe (900 kg) basierende GB-4 besaß kleine Flügel, bewegliche Heckflossen, eine Funkfernlenkeinrichtung und eine im Kopf montierte TV-Kamera. Jeweils zwei der Bomben wurden an externen Bombenträgern eines B-17-Führungsflugzeugs angebaut. Alle Einsätze erfolgten mit der B-17G, 42-40043 und einer Besatzung der 388th BG.

Nach drei Versuchen mit der GB-4 auf englischen übungsplätzen fand der erste echte Einsatz am 13. August statt, Ziel war der Hafen von Le Havre. Eine B-17 als Beobachtungsflugzeug begleitete die Batty-Maschine. Zu jeder Besatzung gehörten zwei bzw. fünf Experten aus Wright Field, die an der Entwicklung der GB-4 beteiligt gewesen waren. Colonel Forrest beobachtete den Einsatz aus seiner "Droop Snoot" P-38. Eine Mosquito-Fotoaufklärer geriet zu nahe an eine der betonierten Bomben und stürzte, von Splittern getroffen, ab. Der im Führungsflugzeug eingebaute, leider nicht einwandfrei arbeitende TV-Empfänger lieferte zu schwache Bilder, um damit die Bomben präzise steuern zu können. So schlug die eine etwa eine Meile vor, die andere eine Meile rechts vom Hafen von Le Havre ein.

Kameraverschluss machte einfach nicht

Der zweite, eine Woche später gegen Uboot-Bunker bei La Pallice geführte Batty-Einsatz war noch weniger erfolgreich. Beim Ausklinken der ersten Bombe schloss sich der Kameraverschluss und verhinderte eine weitere Bildübertragung. Die zweite GB-4 geriet in unkontrollierbare Trudelbewegungen. Der dritte und letzte Versuch mit der GB-4 fand am 26. August statt und richtete sich gegen Einrichtungen in Ijmuiden. Bei einer Wolkendecke von 8/10 war jedoch das Zielgebiet nicht mehr zu erkennen und der Einsatz musste abgebrochen werden. Nach diesem dritten erfolglosen Einsatz entschied das Kommando, das Projekt zur Weiterentwicklung zurückzustellen.

Rückblickend muss man sagen, dass die Technik zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgereift genug war, um die notwendige präzise Steuerung und Zuverlässigkeit zu gewährleisten.

Am anderen Ende der Welt setzte Japan seine Version der V-1 gegen die im Pazifik operierenden Einsatzverbände der US-Navy ein. Die Yokosuka MXY-8 Ohka (Kirchblüte; der Codename der Alliierten war Baka, japanisch für Narr) wurde unter der Fläche der Mitsubishi G4M-2 Betty der 721. Kokutai mitgeführt. Der erste Einsatz am 21. März 1945 richtete sich gegen die US Task Force FV58.