Projekt Aphrodite

Angriffsziel Helgoland

Der zweite und letzte Anvil-Einsatz der US-Navy erfolgte am 3. September 1944. Nach dem die Alliierten die großen V-Waffenstellungen bereits erobert hatten, wurde als Ziel die Uboot-Basis auf Helgoland gewählt. Diesmal gelang zwar der Einsatz, aber der Mann an der Funkfernsteuerung hatte die Insel mit der benachbarten Insel-Düne verwechselt und ließ die "Liberator" dort aufschlagen. Die Wucht der Explosion zerstörte noch fast einen Kilometer von der Aufschlagstelle entfernt Häuser. Das von der US-Navy benutzte FM-System arbeitete mit einer im Kopf der Bombe untergebrachte TV-Kamera, die Bilder an das Führungsflugzeug lieferte.

Die Castor-Einsätze begannen im September mit einer dem FM-System der US-Navy ähnlichen Fernsteuerung mit einer TV-Kamera im Bug des Flugzeuges. Als Ziel wurden Helgoland und Heide/Hemmingstedt gewählt, da diese nur ein kurzes Eindringen in gegnerisches Territorium erforderten und damit die Gefahr eines Abschusses durch die Flak geringer war.

Anstelle eines Doppel-AZON-Geräts wurde ein Standard-Funksteuer-Empfänger AN/ARW-1 im Castor-Flugzeug und der zugehörige Sender AN/ARW-18 im Führungsflugzeug eingebaut. Die Maschinen starteten zwar noch immer mit zwei Mann Besatzung, jedoch ersetzte nun ein Co-Pilot den Funker. Eureka/Rebecca-Naviagtionssysteme dienten zur Lokalisierung des Flugzeugs für den Fall, dass dieses bei schlechter Sicht aus dem Blickfeld des Beobachters verschwinden sollte.

Zusätzliche Hilfen zum Aufrechterhalten des Sichtkontakts waren ein vom Mutterflugzeug aus per Funk ein- und ausschaltbarer Rauchgenerator im Castorflugzeug und der auffällige gelbe Farbanstrich auf der Oberseite der Maschine.

Flakfeuer kurz vorm Ziel

Der erste Castor-Start erfolgte am 11. September, als eine mit 21.855 lbs (9.913 kg) Torpex beladene Maschine gegen Helgoland eingesetzt wurde. Das Verfahren entsprach dem der Aphrodite-Einsätze unter Verwendung der Doppe-AZON-Geräte, mit der Ausnahme, dass das Führungsflugzeug auf gleicher Höhe wie das "Baby" in 2.000 bis 2.500 Fuß (600 bis 760 m) Höhe, jedoch mit einem Abstand von zwei bis drei Kilometern dahinter flog und bei Annährung an das Ziel diesen Abstand auf zehn bis zwölf Kilometer erhöhte.

Die Fernsteuerung während des Fluges über 400 Kilometer wurde als perfekt bezeichnet, bis das "Baby" nur 10 Sekunden vr dem Ziel einen Flak-Treffer erhielt, in Meer stürzte und etwa 200 Meter vom Strand entfernt explodierte.

Auch wenn das Castor-System wesentliche Verbesserungen gegenüber den früher verwendeten Systemen aufwies, so war dessen Einsatz doch vom Unglück verfolgt. Als der Pilot, 1Lt. Richard Lindahl, seine Maschine mit dem Fallschirm verließ, war die Aufziehleine seines Fallschirms offensichtlich nicht vorschriftsmäßig befestigt gewesen und er erlitt einen Genickbruch. Drei Tage später wurde zwei Castor-Maschinen gegen eine ölraffinerie in Hemmingstedt eingesetzt, verfehlten jedoch infolge schlechter Witterung ihr Ziel.

Statt Helgoland Bauernhof in Schweden getroffen!

Am 15. und 30. Oktober war Helgoland erneut Ziel zweier Doppelangriffe, aber auch diesmal verfehlten die "Babies" ihr Ziel. Eine Maschine schlug abseits der Ortschaft Helgoland auf, zwei andere stürzten ins Meer. Bei der vierten brach der Funkkontakt ab, sie flog in nordöstlicher Richtung und explodierte auf einem Bauernhof in der Nähe von Trollhättan in Schweden. Offensichtlich betrachteten die geduldigen Schweden diesen Vorfall als einen weiteren Versuch eines beschädigten Bombers, Rettung in ihrem Land zu finden. Dies ist daraus zu schließen, dass die meldeten, die Besatzung sei über Dänemark abgesprungen.