Berlin
Mit der Mustang über Berlin
Widerwillig ließen wir von der 110 ab und reihten uns in das allgemeine Durcheinander ein. Unser gesamtes Begleitkommando hatte sich in Rotten aufgeteilt, die kleinste Kampfeinheit, die aus einem Rottenführer und einem Rottenflieger bestand. Einheitliche Staffeln waren nicht mehr zu erkennen. Jetzt hieß es, jeder gegen jeden - aber immer noch mit Methode. Wenn es irgend möglich was, blieben wir zumindest immer noch zu zweit zusammen. Der eine für die Taktik und das Schießen, der andere für die Rückendeckung.
Einen anderen Abfangjäger aufs Korn zu nehmen, war jetzt nicht einfach. Eine dicke Rauchfahne stieg von Berlin hoch und die Flak hämmerte aus allen Rohren. Die beim ersten Angriff gegen die Bomber eingesetzten Jagdflugzeuge der Luftwaffe waren zur freien Jagd übergegangen, nachdem sie ihren Erstauftrag erfüllt hatten. Nun waren sie vollauf damit beschäftigt, die Mustang-Begleitjäger abzuwehren, mit denen sie gar nicht gerechnet hatten.
Es blieb uns beiden nichts anders übrig, als mit den Resten des 8th und 9th Fighter Command wieder in Begleitposition zu gehen und uns auf den Kampf, der uns auf dem Rückweg nach England erwartete, einzustellen. Auf dem Boden waren die brennenden Trümmern der abgeschossenen Maschinen zu erkennen. Die B-17 wurden immer noch mit schwerem Flakfeuer unter Beschuss genommen. Ab und zu fing eine Maschine Feuer und fiel aus der Formation. Gleich darauf öffneten sich gewöhnlich einige Fallschirme - nie jedoch alle. Ein brennender Bomber wurde immer für irgendjemandem zum Sarg.

Bild nicht von einen Einsatz über Berlin. Die oben gezeigt B-17 wurde über Österreich getroffen
Die alte B-17 kippte gewöhnlich mit einem oder zwei riesigen Löchern in ihrem Rumpf und schwerverletzten Besatzungsmitgliedern an Bord nach vorne über und geriet außer Kontrolle. Bei einer bestimmten Geschwindigkeit bäumte sie sich wieder auf oder ging in eine Kerze, um sich dann, vor dem letzten Fall zu Boden, auf eine Tragfläche zu legen. Das letzte Stück stieß sie stets kerzengerade nach unten. Normalerweise riss dabei eine Tragfläche ab und der Rest stürzte in einer wirbelnden Spirale 25.000 Fuß (8.000km) tief auf den Boden.
Ich habe sogar eine B-17 gesehen, die, nachdem sie von der Flak schwer getroffen wurde, einen richtigen Looping gemacht hat. Einige wenige Besatzungsmitglieder konnten noch abspringen, bevor der Bug sich senkte und die Maschine im Sturzflug abtauchte. Dann schoss sie wieder hoch, bis sie auf dem Rücken über den Scheitel zog und auf der anderen Seite wieder herausfiel. Dabei brachen hier und da einige Stücke heraus, ein Teil vom Leitwerk und auch ein Stück von der Tragfläche, bevor sie auf dem Boden zerschellte.
Unser erster vollständiger Begleiteinsatz nach Berlin fand am 4. März 1944 statt. Mit vollständig meine ich, dass genügend Jagdflugzeuge vorhanden waren, um die Verluste des Bombergeschwaders auf ein Minimum zu begrenzen. Fünf Bombenangriffe auf Berlin sollten Hitlers Kriegsführung ins Wanken bringen. Sie wurden am 3., 4., 6., 8. und 9. März geflogen, wobei jedes nur verfügbare Flugzeug zum Einsatz kam. Bei vier dieser Einsätze war ich dabei.
Am 6. März schoss unser Geschwader 20 Abfangjäger der Luftwaffe ohne einen einzigen Verlust unsererseits ab. Wir machten Fortschritte."