Schweinfurt

Von allen Seiten wurde gedrängt, der deutschen strategischen Industrie in den K.O.- Schlag zu versetzen. Aus der US Air Force kam Druck, zu beweisen, dass die Strategie des Massenangriffs die Richtige war. Dazu kam, dass die Meteorologen für Mitteleuropa klare Sicht vorhergesagt hatten, für die nächsten Tage aber schon wieder mit einer mindestens zwei Wochen anhaltenden Schlechtwetterphase rechneten.

Eine ganze Stunde flogen die für Regensburg eingeteilten Bomberkräfte ihre Warteschleife, und jede Bewegung eines jeden Flugzeugs wurde von den deutschen Funkern auf dem Radarschirm genau verfolgt. Von den Flugplätzen in Holland und Norddeutschland stiegen Abfangjäger auf, und auch sie begannen einen ziellosen, einsamen Schattentanz, wie ein Boxer in seiner Ecke, bevor der Gong zur nächsten Runde ertönt. Die Typhoons und Mitchells starteten zu ihren zwecklosen Provokationsmanövern über der Straße von Dover. Und General Anderson zögerte immer noch. Um 10.00 Uhr wurde ihm die Entscheidung zwangsweise abgenommen. Wenn der Regensburger Verband die unbekannten Feldflugplätze in Afrika noch bei ausreichendem Tageslicht erreichen sollte, musste er jetzt losfliegen.

Die Fernschreiber in den Kontrolltürmen in Ostengland begannen zu ticken, und die 3rd Division der US 8th Air Force startete in Richtung Osten.

Formierung

Der Nebel begann sich nun auch weiter im Süden und im Binnenland zu lichten, wo die nach Schweinfurt beorderten Staffeln auf den Start warteten. Weitere Verzögerungen entstanden, während sich eine Staffel nach der anderen in die Warteschleife einreihte. Etwa um 13.15 Uhr drehte der Flugzeugschwarm nach Süden ab, über die Küste von Suffolk, über die Nordsee und über die Grenzen jeglicher Vernunft hinaus, in eine andere Welt. Der Großteil der zweiten Angriffswelle sah nicht einmal den Zipfel eines schützenden Jägers, nachdem die holländische Küste überflogen war. Spitfires der Royal Air Force begrüßten sie zwar, aber die Langstrecken - Thunderbolts waren 9 Minuten zu spät gestartet und holten sie nicht mehr ein.

"Innerhalb weniger Minuten war es nicht mehr schwer, Freund und Feind zu unterscheiden, denn es waren nur noch feindliche Flugzeuge zu sehen"
Ein Bordschütze

Man munkelt, dass General Anderson der Ansicht war, wenn eine zehnminütige Verspätung ausreichte, um in den Reihen der Luftwaffe Verwirrung zu stiften, würde es mit einer Verspätung von 3 Stunden genauso gut funktionieren. Die Fähigkeit des deutschen Radar - Warnsystems derart zu unterschätzen war geradezu verbrecherisch. Während ein Abstand von 10 Minuten zwischen den zwei Angriffsgruppen die deutsche Luftabwehr dazu gezwungen hätte, ihre Einsatzkräfte aufzuteilen, hatte sie nun genügend Zeit, ihre gesamte Abwehr, ausreichend betankt und bewaffnet, zunächst der ersten, anschließend dann der folgende Gruppe entgegenzuwerfen.