Schweinfurt
"Als sich der Nebel endlich soweit gelichtet hatte, dass wir starten konnten, musste die 3rd Division bereits Regensburg angegriffen haben und auf dem Weg nach Afrika sein. Statt die deutsche Abfangjägerflotte zu täuschen und in der Folge zu zerstreuen, hatte die Division nur das deutsche Jagdkommando alarmiert und in Bereitschaft versetzt.
In etwa 1.000 Fuß Höhe stießen wir durch die Nebeldecke und flogen dann in einer Höhe von 23.000 Fuß auf den Kontinent zu. Eine dichte Wolkenschicht, die sich von 17.000 Fuß bis 27.000 Fuß erstreckte, blockierte uns den Weg. Wenn wir zusammen bleiben wollten, konnten wir da nicht hineinfliegen. Colonel Gross, der die 1st Division führte, hatte eine schwere Entscheidung zu treffen: Man konnte über den Wolken fliegen und dabei das Risiko in Kauf nehmen, dass dann auch das Ziel von den Wolken verdeckt sein würde, man konnte einen anderen Kurs nehmen oder die Wolkendecke unterfliegen. Sinn der Flughöhe von 23.000 Fuß war, die deutschen Abfangjäger, die Messerschmitt und die Focke-Wulfs, an einem schwachen Punkt zu treffen. Auf 16.000 Fuß oder 17.000 Fuß nämlich waren die deutschen Jäger auf der für sie optimalen Flughöhe." Und genau in dieses Höhenband dirigierte Colonel Gross seine Bomber. Das war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.
Das fürchterliche Gemetzel nahm hier seinen Anfang. Gross' Formation verlor aufgrund der falschen Entscheidung ihres Anführers 10 Flugzeuge in nur 5 Minuten. Die Amerikaner jedoch waren mit elf 12,7 mm Maschinengewehren pro Flugzeug schwer bewaffnet und flogen in schützenden Box - Formationen. Am Ende des Tages konnte man nach der Zerstörung von 288 feindlichen Flugzeugen wahrhaftig nicht von einem leichten Sieg sprechen, zudem war diese Bilanz wohl etwas übertrieben. Das einzige was man genau weiß, ist die Zahl der Flying Fortresses, die dabei getroffen wurden - insgesamt 147. 60 wurden nie wieder gesehen. 27 waren so stark beschädigt, dass sie, obwohl es ihnen gelang, wieder zum Stützpunkt zurückzukehren, abgeschrieben werden mussten. Und 60 erreichten Nordafrika in einem Zustand, der eine Reparatur vor Ort unmöglich machte.
Die erste Angriffswelle hatte es indes nicht leichter. Ein Pilot, der in der letzten und somit am wenigsten geschützten Position in der Formation flog, erzählt: "Wir liefen ständig Gefahr, dass unser Flugzeug von herabfallenden Trümmern getroffen würde. Notausstiegsluken, Türen, zu früh geöffnete Fallschirme, Menschen- und Wrackteile von B-17 oder deutschen Flugzeugen kamen im Nachstrom an uns vorbei. Wir flogen weiter, folgten dieser grausamen Spur eines verzweifelten Luftkampfes, wo ein Flugzeug nach dem anderen explodierte und selbst sechzig Fallschirme auf einmal in der Luft nichts Ungewöhnliches waren."
Die "X Virgin" erhielt eine Salve in die Rumpfmitte, die einen der Schützen tötete. Vier Männer sprangen ab, damit die wichtigsten Besatzungsmitglieder noch genügend Sauerstoff hatten, um zu ihren Ziel zu fliegen und die Bomben abwerfen zu können. Als der Ausklinkmechanismus der Bomben klemmte, lockerte ein verwundeter Schütze die Bügel mit einem Schraubenzieher und sprang dann auf die Bomben, bis sie herausfielen.